Die Entwicklung der digitalen Fotografie vollzieht sich in Richtungen, die noch vor wenigen Jahren nicht nur unmöglich, sondern sogar absurd erschienen wären. Einer von ihnen ist der Wandel, der sich bei Objektiven für moderne Kameras vollzieht. Verbesserungen werden in der Optik immer seltener durchgeführt und setzen immer häufiger auf die digitale Bildverbesserung. Heutzutage ist es billiger, das Objektiv mit einem Prozessor und entsprechenden Korrekturalgorithmen auszustatten als mit einer Spezialbrille oder geeigneten Linsensystemen, um Designfehler des Objektivs auszugleichen.

Vor etwa einem Dutzend Jahren, als wir über Linsen sprachen, sprachen wir über Objekte aus Glas, Kunststoff und Metall, während das einzige mit Elektronik ausgestattete Element Autofokusmechanismen und möglicherweise optische Stabilisierung waren. Aber die Zeiten ändern sich - die heutigen Objektive sind mit eigenen Prozessoren und entsprechender Firmware ausgestattet, die genauso aktualisiert werden können und sollten wie Smartphones oder SmartTVs.

Wichtig ist, dass diese Art von Software im Objektiv nicht nur zur Bedienung der Systeme verwendet wird, die für die Fokussierung oder Bildstabilisierung verantwortlich sind. Anstatt die optischen Defekte des Objektivs zu beseitigen, wie es einmal der Hersteller des Objektivs getan hat, entwickelt er die entsprechenden digitalen Korrekturwerte, die zur Beseitigung erforderlich sind, und implementiert sie in die Firmware. Dadurch kann das an der Kamera angebrachte Objektiv mit ihr kommunizieren und den Bildverarbeiter darüber informieren, wie er die mit ihr aufgenommenen Fotos korrigieren soll. Wenn beispielsweise der Nachteil des Objektivs ein Helligkeitsabfall des Bildes außerhalb der Bildmitte ist (sog. Vignettierung), informiert die Objektiv-Firmware den Prozessor der Kamera darüber, inwieweit er einzelne Bildfragmente aufhellen soll.

Diese Art der Korrektur ist viel billiger als die Verwendung von speziellen, teuren Brillen für Objektive oder die Verwendung von komplexeren optischen Systemen. Paradoxerweise kann man jedoch sagen, dass moderne Objektive - wenn sie nicht mehr elektronisch unterstützt werden - schlechter sind als Designs von vor einem Dutzend oder mehreren Dutzend Jahren. Der gleiche Trend zur noch stärkeren Digitalisierung gilt auch für die Kameras selbst.

Wie bei anderen Elektronikprodukten können auch hier Objektiv- und Kamerafirmware aktualisiert werden. Und es lohnt sich auf jeden Fall, denn z.B. kann eine neue Firmware die Fokussiergeschwindigkeit um 40% verbessern, aber Änderungen können noch größer sein.

Die Objektivsteuerungssoftware kann auf verschiedene Weise aktualisiert werden, je nach Objektivtyp und Hersteller. Manchmal genügt es, die Kamera mit dem Objektiv an einen mit dem Internet verbundenen Computer anzuschließen und die Anweisungen des Herstellers zu befolgen, in anderen Fällen ist es notwendig, das Servicezentrum zu besuchen. Der interessanteste Fall ist jedoch ein spezieller Aufsatz für Sigma-Objektive, das sogenannte USB-Dock. Es ermöglicht Ihnen auch, Ihr Objektiv nach Ihren individuellen Wünschen zu programmieren.

Heute werden laut der Camera & Imaging Products Association nur noch etwas mehr als 20 Millionen Digitalkameras pro Jahr verteilt, fast sechsmal weniger als der Spitzenwert der Branche im Jahr 2010. Der Umsatz mit Kompaktkameras, die 2010 auf mehr als 110 Millionen Einheiten verteilt wurden, lag im vergangenen Jahr bei nur 12,4 Millionen. Andererseits haben Spiegelreflexkameras und spiegellose Kameras (zwei Arten von Wechselobjektiven) in den letzten Jahren ein recht ausgeglichenes Umsatzniveau gehalten, obwohl auch bei billigeren Geräten in diesen Kategorien ein Abwärtstrend zu beobachten ist.

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